Fragmentgeschichte

Samstag, 22. April 2006

Fragmentgeschichte 2 - Teil 8

Plötzlich brach in dem kleinen Schuppen die Hölle in Form einer Live Aufnahme von Cannibal Corpse los. Jens hielt sich seine kleinen Ohren, während der kleine Ausserirdische belustigt sabbernd seinen Kopf zur Musik auf und ab bewegte. Gleichzeitig erwachte Herr Schlauber völlig panikerfüllt aus seinem komatösen Schlaf.
"Hhhacch! Was... Krach!?", schrie er in das harte Gegröhle des Sängers. Erst glotzte Jens überrascht auf die sich ihm bietende Szenerie, doch dann tunkte er geschickt seine Nase auf den Knopf, ohne seine beiden Hände von den Ohren zu nehmen. Augenblicklich kehrte wieder Stille in den kleinen Raum ein, doch zurück blieb ein unangenehmer Pfeifton in den Köpfen der Besucher.
"Jens? Was machst du denn hier?", fragte Herr Schlauber ungläubig.
"Papa?", antworte Jens, genauso überrascht.

***

"Gloria, wach auf!", sagte Doktor Brutus, der jetzt einen Schlafanzug trug und auch sonst versuchte, Herrn Schlauber Konkurrenz zu machen.
"Hmn", murmelte Gloria Findel im Halbschlaf und öffnete langsam ihre Augen. Sie befand sich auf einem weichen Bett im Hause Schlauber und starrte einen komischen Mann in einer Schlafanzughose an.
"Wer sind sie?", fragte sie verwundert.
"Ich bin Herr Schlauber, ihr Arbeitgeber", antwortete Doktor Brutus unverschämt. Als er nach einiger Zeit nur einen ungläubigen Blick erntete, entgegnete er:
"Sie wissen schon, putzschrubb, knaddeldütsch!"
"Ich kenne Herrn Schlauber und SO sieht er nicht aus!", konterte Gloria keck.
"Verdammt, dabei habe ich stundenlang seinen verschlafenen Blick geübt", murmelte der Doktor, mehr zu sich selbst.
"Was soll das alles?", fragte Gloria ihren Entführer und bemerkte erst jetzt, dass sie mit unzähligen Tesastreifen ans Bett gefesselt war. Doktor Brutus blickte etwas beschämt auf die schlampige Arbeit und antwortete: "Jaja, tut mir leid. Kein anständiges Klebeband im Haus, nichts. Nicht einmal ein Strick"
"Doch, zweite Schublade von links", entgegnete Gloria und zeigte mit ihrer Nase in Richtung Kommode.
"Na toll, das sagen sie jetzt?", fauchte Doktor Brutus.
"Aber sie haben meine Frage nicht beantwortet! Was wollen sie von mir?"
"Sie müssen nur still hier liegen bleiben, sonst nichts", sagte der Doktor und wischte sich ein paar Schweissperlen von der Stirn.

***

"Gloria Findel ist also der Schlüssel zu all dem?", fragte Herr Schlauber.
"Genau", antwortete der Ausserirdische von alka-alka, "und deshalb müssen wir sie so schnell wie möglich finden"
Jens Schlauber beobachtete wie sich sein Vater mit dem kleinen Männchen unterhielt, war aber in Gedanken schon bei dem von seinem Vater versprochenen Erbeereis. Mit Sahne. Er musste nur noch fünf Minuten still bleiben, das war der Deal.
"Und dieser Melonenmann", grübelte Herr Schlauber vor sich hin. Interessiert blickte der kleine Ausserirdische zu ihm auf.
"Doch nicht etwa Doktor Brutus?"
Als Herr Schlauber zustimmend nickte, wurde dem alka-alkaianer ganz blau ums Herz. Der Doktor könnte sie überall versteckt halten, in jeder denkbaren Ebene dieses Universums. Was würde nur geschehen wenn sie Gloria nicht vor Ablauf der Frist wiederfinden würden? Er wollte es sich gar nicht erst vorstellen. Und es war ziemlich schwer, alle drei Gehirne davon zu überzeugen, sich nichts vorzustellen, denn alka-alka-Gehirne warene gemeinhin als zickige Wesen bekannt.

Genau drei Minuten und einundzwanzig Sekunden später hallte es donnernd durch den ganzen Schuppen: "Krieg ich jetzt mein Eeeeis?"

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Donnerstag, 13. April 2006

Fragmentgeschichte 2 - Teil 6

"Ja, das ist sie", sagte der Alka-Alkaner, "da bin ich mir ganz sicher."
Jens musterte für einen Moment nachdenklich den Boden und stand dann hastig auf. "Also, was ist jetzt mit unserem Hausmädchen? Hat sie Holger kaputt gemacht?"
"Nein, das bestimmt nicht, aber sie ist ein... ähm... ganz besonderes Lebewesen", druckste der kleine, grüne Schultersitzer herum. "Aber wir haben keine Zeit für große Erklärungen, wir müssen sie finden!", fügte er hastig hinzu und hüpfte wieder wild entschlossen auf Jens herum.
Dieser grummelte zwar, aber begann dann damit, sich grübelnd in Bewegung zu setzen und sich von seinem selbsternannten Jockey lenken zu lassen. Was war nur so besonders an Gloria Findel?
Olaf, die jetzt sehr mürrische Ameise, schaute dem wundersamen Wanderern hinterher, hob seinen rechten Vorderfuß und wünschte sich sehnlichst, er hätte einen gut sichtbaren Mittelfinger. Doch dann grinste er hämisch, denn er wusste, wo Gloria Findel sich befand.

***

"Gloooria! Oooh Gloooria!", grölte ein Landstreicher vor dem Café Honolulu und brachte den Doktor für einen Moment aus dem Konzept.
"Ja...ähm", stotterte er und begann immer stärker zu schwitzen. Herr Schlauber war sehr verwirrt und versuchte, mit der Situation fertig zu werden. Was war hier nur los?
Plötzlich hörte er ein leises Fiepen, das vom Boden zu kommen schien. Er blickte sich langsam um und entdeckte dann eine kleine Maus, die neben ihm am Stuhlbein lehnte und ihn anstarrte. Sie fiepte und fiepte, doch Herr Schlauber verstand nicht, was sie von ihm wollte.
"Was ist?", fragte er etwas verwundert, "ich habe nichts zu essen für dich!", doch er erwartete natürlich keine Antwort. Gerade als er sich wieder Doktor Brutus zuwenden wollte, passierte es.
"Gloria Ffiiiieeep... Fieeendel!", sagte die Maus, krabbelte in windeseile quer durch den Raum und verschwand anschliessend in einem kleinen Loch in der Wand.
"Was ist hier nur los?", fragte er, mehr sich selbst.
Doktor Brutus wischte sich mit seinem Handrücken die dicken Schweissperlen von der Stirn und versuchte ein freundliches Gesicht aufzusetzen, welches jedoch nicht von seinen nervös zitternden Lippen ablenken konnte.
"Gar nichts, gar nichts", sagte er, "sie sind nur übermüdet, da höre ich auch manchmal Stimmen."
"Stimmen? Wer sagt was von Stimmen?", antwortete Herr Schlauber und erinnerte sich an seinen Traum. Diese Melone war aber auch sehr dubios, wer trägt denn heutzutage noch so etwas?
"Na, aber die Maus... ich ... wir", entgegnete Doktor Brutus und seufzte anschliessend sehr intensiv.
"Jetzt reicht es mir aber! Wer sind sie?", rief Herr Schlauber energisch. "Und keine Ausflüchte, ja?", keifte er spuckend über den Tisch.
Der Doktor wischte sich verletzt dreinschauend die auf seiner Brust gelandeten Spuckeflecken weg und setzte zu einer Antwort an. Sekundenlang herrschte Stille im ganzen Raum und die Luft schien zu flimmern. Herr Schlauber kniff die Augen zusammen und fixierte den Doktor angestrengt.
Und plötzlich war Doktor Brutus verschwunden.

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Dienstag, 4. April 2006

Fragmentgeschichte 2 - Teil 4

Der Doktor war nicht für ausschweifende Reden bekannt, also sagte er in einem fast hektischen Tonfall "Ich bin nicht für ausschweifende Reden bekannt", zog seine Melone wie ein stilvoller Mann aus den Fünfzigern ein Stück zur Seite und glotzte Herrn Schlauber fragend an.
Doch dieser glotzte nur fragend zurück und es breitete sich eine dramatische Stille im Raum aus, die sogar die faulen Holzwürmer, die sich gemütlich durch die Barhocker nagten, zum verstaunten Aufhorchen bewegeten.
"So funktioniert das nicht, Herr Schlauber", flüsterte Doktor Brutus nervös. "Sie müssen mich schon fragen, was hier eigentlich los ist!"
Sein Gegenüber starrte nur perplex Löcher in die Luft, zupfte an dem Bund seiner Schlafanzughose und wünschte sich, etwas weniger auffälliges angezogen zu haben. Seinen schottischen Sonntagskilt zum Beispiel. Oder auch der Einreiher in einem nicht mehr ganz so modischem Hellblau.
"Tun wir einfach so, als hätten sie gefragt", sagte der Doktor und begann mit einer theatralischen Stimme die Situation zu erläutern: Gloria Findel sei ein einzigartiges Lebewesen auf diesem Planeten und in großer Gefahr. Ausserirdische vom Planeten alka-alka wollten ihre DNA stehlen um daraus eine neue Eissorte zu machen, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellen würde. Nur Herr Schlauber hatte die Kraft sie mit seiner... nunja... etwas unkonventionellen Denkweise zu überlisten.
"Sie fragen sich sicher, welche Rolle ich dabei spiele", sagte Doktor Brutus selbstverliebt und wartete auf einen Funken von Interesse.
Doch Herr Schlauber starrte weiterhin in seine mittlerweile recht groß gewordenen Luftlöcher. Er fragte sich, wie viele er noch erzeugen konnte. Fünf von ihnen waberten schon fröhlich vor sich hin und schienen sich recht wohl zu fühlen.
"Herr Schlauber?", drang es lautstark aus der Kehle des Doktors, doch die Luftlöcher verschluckten seinen Schrei und anschliessend seine Melone. Erschrocken wollte Doktor Brutus noch ein verwirrtes Wort aussprechen, doch noch bevor er mit seinen Lippen ein Fragezeichen geformt hatte, wurde er von einem der größeren Luftlöcher verschluckt.

***

"Schneller, Jens, schneller!", rief der kleine Ausserirdische spuckend und hüpfte auf Jens Schultern herum, wie ein Jockey auf einem zu großen Rennpferd. Woher er plötzlich die Gerte hatte, konnte sein menschliches Taxi nicht einmal erahnen.
"Bitte nicht so feste hüpfen!", sagte Jens gepresst und wunderte sich, was an dem kleinen Kerl nicht stimmte. Er war so... aufgedreht. Plötzlich fiel es ihm ein und er kam so abrupt zum Stehen, dass der Ausserirdische augenblicklich in seinem Nackenhaar klebte.
"Gn'aar!", schrie er entzürnt, "was ist denn?"
Jens kratzte den kleinen, keifenden Kerl aus seinem Hinterkopf und hob ihn direkt vor seine Augen.
"Hast du etwa getrunken?", wollte Jens wissen und betonte dabei die Worte so, wie sie seine Mutter aussprach, wenn er mit seinem Zeugnis in der Hand oder Kaugummi im Haar nach Hause kam.
"Würdest du mir glauben, wenn ich nein sagen würde", antwortete das Häufchen Elend auf seiner Hand.

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Donnerstag, 30. März 2006

Fragmentgeschichte 2 - Teil 2

Mit heruntergelassenen Hosen stand Herr Schlauber vor seinem ausladenden Panoramafenster und versank in seinen Gedanken. Gloria Findel! Wie lange hatte er sie schon nicht mehr gesehen? Es musste mittlerweile drei, vier Jahre her sein. Wieso? Wieso nur hatte sie ihn verlassen. Sie war einfach, ohne ein Wort zu sagen...
Plötzlich wurde Herr Schlauber von einem schreienden Kind aus dem Konzept gebracht. Als die Mutter des Kindes anfing, ihn durch die Scheibe lauthals zu beschimpfen, zog er seine Schlafanzughose wieder hoch und bereute wieder einmal, im Erdgeschoss ein großes Fenster eingebaut zu haben. Hätte er doch nur auf seine Mutter gehört und wäre nicht schon mit 35 Jahren von zu Hause ausgezogen...

***

Am anderen Ende der Stadt brüllte ein kleiner Junge lauthals durch sein Elternhaus. "Maaaamaaaaa!", schallte es bebend in alle Richtungen, ausgehend von dem kleinen, verheulten Jens. Wie ein schwarzes Loch sog der kleine Mund abermals Unmengen an schaler Luft auf, nur um danach wieder imposant zu explodieren. "Hoolger ist kapuuuuutt!"
Mit einem zutiefst genervten Blick stapfte die etwas rundliche Gertrud die Treppen nach oben, wobei ihre Hüfterollen lustig im Takt ihrer Schritte mitwippten und riss die Tür vom Kinderzimmer auf. "Wasnnuschowieda?!", drang es genuschelt aus ihrem hervorragend gedämmten Sprachorgan. Als sie den kaputten Holger in seinem Käfig liegen sah, schien für einen Moment die Zeit still zu stehen. Jens blinzelte erschrocken, als er das Funkeln in ihren Augen bemerkte und seine Unterlippe begann augenblicklich heftig zu vibrieren. Doch bevor er in seinen üblichen "Ich wars nicht!"-Weinkrampf ausbrechen konnte, hatte Gertrud in schon mitleidig in den Arm genommen.
"Oooch Jens! Sei nicht traurig, wir haben doch noch Gloria", sagte sie und rief frohlockend nach Gloria Findel.
Doch Gloria kam nicht. Sie antwortete nicht einmal. Auch schickte sie keine eMail und den Briefträger hatte Gertrud auch nicht kommen hören.
Da dies Jens sehr ungewöhnlich erschien, fing er sofort wieder an zu weinen und hörte erst auf als sich das Raumschiff eines Ausserirdischen von alka-alka krachend in die nördliche Aussenwand seines Kinderzimmers bohrte. Für einige Zeit war wieder Stille eingekehrt und trotz der ungewöhnlichen Situation registrierte Gertrud dies mit einem entspanntem Lächeln. Stille war eben selten im Hause Köpnik. Und das sollte sich auch nicht so schnell ändern, denn wenige Sekunden später wühlte sich der Bruchpilot des Porzellanhaufens (alka-alka Schiffe bestanden zu 95% aus Porzellan, die restlichen 5% waren eine abstruse Mischung aus ausgelutschten Kaugummis und weggeworfene Haarspangen von kleinen, thailändischen Mädchen) durch die zerfetzte Glücksbärchen-Tapete.
Xqwzts starrte die beiden sonderbarne Kreaturen an, die in dieser hässlich eingerichteten Höhle voller Stofftieren standen und sagte:

Forsetzung folgt hier

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