Die unsterbliche Seele VI
"Wach auf" flüsterte eine samtweiche, freundliche Stimme. "Komm wieder zu dir" hallte es in die weisse Unendlichkeit. Eine bläulich schimmernde Seele nahm ihre Umgebung wahr und versuchte sich mühevoll zu Verständigen was aber nur in kurzen, kläglichen Geräuschen endete die wie sanfte Windböen klangen. "Versuche nicht zu sprechen, versuche nur zu denken" riet die Stimme sehr verständnisvoll. "Wo... bin... ich...?" drang es aus der Seele heraus, gepresst und noch sehr unsicher. "Versuche dich zu entspannen, du bist am Ort allen Lebens, am Ursprung, an der Quelle". "Aber... wie.... .... was... bin... ich?" quoll es zähflüssig wie Sirup aus der gequälten Seele. Die freundliche Stimme schien von allen Seiten auf die Seele einzureden und antwortete: "Erinnere dich Marius. Khat. Zhan-Pek. Ith. Cornelius. Die irdischen Namen deren Schicksale du einst getragen hast, hunderteinundsechzig Jahre lang" Die Seele flackerte ein wenig und begann sich zu erinnern, sah Bilder von blutenden Gladiatoren, unendlichem Eis und tränenreichem Leid. "Keine Fragen mehr, du bist verletzlich. Entspanne dich einfach, wir kümmern uns um dich". Als der seichte Windhauch die letzten Silben der Stimme hinfortgetragen hatte fiel die Seele, eine leicht bläulich schimmernde Wolke mit verschieden tiefen Kratzern und einer sehr blass gewordenen Kontur, wieder in einen komatösen Zustand. In den unendlichen, blassweissen Weiten erklang plötzlich eine andere, nicht ganz so freundliche Stimme: "Ob sie die Richtige für uns ist? So schwach, aber auch so... freundlich". "Sie wird ihren Zweck erfüllen" erwiderte die bekannte, samte Stimme von einer scheinbar anderen Richtung entschlossen zurück.
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