Die unsterbliche Seele II

Antinupolis, 158 n.Chr.
Wohin man auch sah erstreckte sich wunderschönes, fast unberührtes Land. Khat stand vor seinem recht einfachem, kleinen Haus und betrachtete die Natur in all ihrer Schönheit. Er war gerade 32 Jahre alt geworden und wohnte mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn recht nahe am östlichen Ufer des Nils. Khat war ein einfacher Bauer und der Nil sorgte für das Überleben seiner Familie. "Ach da bist du" sagte seine Frau, die plötzlich neben ihm stand und seine schweifenden Gedanken unterbrach. "Ja, ich wollte einen Moment lang die Natur geniessen, ich denke ich werde ein paar Schritte gehen" erwiderte Khat, verabschiedete sich von seiner Frau und wanderte am Nil entlang, in entgegengesetzter Richtung zum Tempel. Er war zufrieden mit sich und seinem Leben aber er hatte schon den ganzen Tag ein merkwürdiges Gefühl im Bauch und wollte deshalb durch einen Spaziergang auf sein Inneres hören und herausfinden was es sein konnte. Als er nach einer halben Stunde immer noch ratlos war, beschloss er das es sinnlos war weiter darüber nachzudenken und wanderte zurück. Doch als die Abenddämmerung anbrach und er in der Nähe seines Hauses war, merkte er das etwas nicht stimmte. Statt der üblichen Shilouette befand sich nur noch eine Staubwolke an der Stelle, an der einmal sein eigens gebautes Haus stand. Panisch rannte er auf die Trümmer zu und rief nach seiner Frau und seinem Sohn, doch sie konnten ihn nicht mehr hören. Als weitere Menschen zur Hilfe eilten und ihm halfen die großen Lehmstücke beiseite zu räumen fand er seine tote Frau unter einem Balken begraben und brach in Tränen aus. Verzweifelt und panisch suchte er nach seinem Sohn, doch auch ihn konnte er nur noch tot bergen. Khat schrie aus vollem Halse, stiess zwei oder drei Arme weg, die ihn beruhigen wollten und rannte so schnell er konnte auf den Nil zu. Er rannte und rannte, bis seine Fussohlen brannten und preschte in vollem Lauf ins warme Wasser. Auf halben Weg zur Flussmitte fiel er um, der Schleier der Ohnmacht legte sich über ihn und er ertrank in der Strömung des Flusses. Die Strömung trug ihn noch eine Zeit lang mit sich bis er von ein paar entsetzten Kindern gefunden wurde.

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