Die blöde Sibylle, das Schnitzelbrötchen und ich!
Es war einer dieser verregneten Nachmittage, an denen es keinen Unterschied machte ob die Eingangstür zu meiner Praxis zugenagelt war oder ich sogar mit Gratisportionen Demorol winken würde - es kam einfach niemand mehr. Da meine Praxishilfskraft Sybille sowieso mit ihrem Liebhaber aus Sachsen telefonierte und nie mehr als zwei Dinge gleichzeitig erledigen konnte, waren ihre Fingernägel das einzige was sie in den nächsten zwei Stunden beschäftigen würde. Also öffnete ich die Praxistür um der frischen Regenluft eine Gelegenheit zu geben Sibylles würgreizerregendes Parfüm zu verscheuchen, warf eine Dronabinoltablette und legte meinen guten Freund Ludwig van auf. Das Dronabinol war eigentlich für Herrn Meier bestimmt, doch würde ich eher meinen Vorrat an Diazepam aufgeben als einem verwirrten Mittfünfziger im vorzeitigen Ruhestand Schmerzen zu lindern. Augenscheinlich reichen ihm die abgelaufenen Placebos vollkommen aus. Was kann ein Mensch der 35 Jahre im Zulassungsamt "hart gearbeitet" hat auch für Schmerzen haben? Furunkel am Sitzfleisch vielleicht? Was für ein Arschloch. Allein die Nacht als Notarzt '93, als ich auf Valoron zwei Junkies wieder zunähen musste, die sich gegenseitig den Stoff aus dem Bauch schneiden wollten, war hart genug gewesen um mir einen vorzeitigen Ruhestand zu verdienen. Oder war es nur ein Junkie gewesen? Die Wirkung der Tablette hatte bereits nachgelassen, scheinbar war ich schon zu sehr an das Zeug gewöhnt. Deshalb verkroch ich mich wieder einmal in mein Arbeitszimmer, warf mich auf die Liege und stellte das Narkosegerät auf "Leck mich am Arsch, Menschheit!" ein. Was für ein beschissener Tag, was für ein beschissenes Leben. Zu Hause packte meine Exfrau vermutlich gerade ihre Sachen und ich bin mir sicher das sie beim rausgehen meinen Pokertisch zerkratzt. Tief einatmen. Miststück! Ausatmen. Was zum Teufel mache ich eigentlich hier? Achja. Einatmen. Lange kramte ich in meiner Tasche und förderte mein in Alufolie gewickeltes Schnitzelbrötchen zu Tage. Von draussen ertönten die ersten Klänge meines Lieblingsstückes von Beethoven. Beim ausatmen friemelte ich die Folie. Die Folie herunter. Diese weichen Brötchen waren das einzig gute an meinem Freitag. Tief einatmen. Was... mache ich morgen? Gleich abend? Noch einen tiefen Zug. Schnitzel. Biss ich ab. Ich biss. Kauen. Atme...
"Atme! So atmen Sie doch!", schrie Sibylle und prügelte wild auf mich ein.
Ich stand neben mir und starrte auf meinen leblosen Körper. Was für eine dämliche Art zu sterben. Erstickt an einem Schnitzelbrötchen. Kopfschüttelnd drehte ich mich um und ging ins Licht. Was für ein beschissener Tag.
(Dies war der dritte Text aus der schreib:zwang-Reihe über das Thema "Die blöde Sibylle, das Schnitzelbrötchen und ich!" das mir Peter Parkster gestellt hat.)
"Atme! So atmen Sie doch!", schrie Sibylle und prügelte wild auf mich ein.
Ich stand neben mir und starrte auf meinen leblosen Körper. Was für eine dämliche Art zu sterben. Erstickt an einem Schnitzelbrötchen. Kopfschüttelnd drehte ich mich um und ging ins Licht. Was für ein beschissener Tag.
(Dies war der dritte Text aus der schreib:zwang-Reihe über das Thema "Die blöde Sibylle, das Schnitzelbrötchen und ich!" das mir Peter Parkster gestellt hat.)
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