Montag, 15. August 2005

jenseits der kaff-elegien/ fragment aus beton

sie wohnen dicht an dicht, aber spenden sich keine wärme, getrennt durch graue mauern.
keiner weiss, wer neben ihm wohnt, man trifft sich täglich auf dem flur, senkt den blick und starrt woanders hin.
graue blicke.

die wände sind dünn.

das namenlose atmet, schlägt die zeit tot, bringt die tage herum, klappert mit dem geschirr, hustet aufgrund der 20. zigarette an diesem morgen, ist fast greifbar.
sie alle wissen dinge voneinander, die kein mensch hören will, aber hören muss.

wände wie papier.

das leise weinen der frau, die immer eine sonnenbrille trägt, selbst wenn der himmel grau und wolkenverhangen ist, mit der man die geschwollene wange nicht abdecken kann. das junge ehepaar von unten, die erst leise und nach der dritten flasche wein immer lauter streiten, schreien, sich beschimpfen. zerbrochenes glas und zerbrochenes glück.
der unmenschlich laute ton des fernsehers, der die vier kleinen kinder aus dem fünften stock mit mord und totschlag unterhält, sobald sie aus der schule heimkehren und der ihre einsamkeit, die langeweile und den frust bis in die späten abenstunden übertönt, wenn die mutter müde und zerschlagen mit ein paar fettigen tüten abendbrot von ihrem job am bahnhofsimbiss nach hause kehrt.
der alte mann, der seemanslieder gröhlt und sein fernweh mit einer palette dosenbier und korn kompensiert und eingerollt auf der fussmatte vor seiner haustür einschläft, wo ihn ab und an die jugendlichen treten. höhnische blicke.

jeder neue morgen zerstört die sehnsucht, die träume der nacht mit dem lauten klappern der mülltonnen, in denen die frau mit dem kopftuch nach pfandflaschen wühlt.

der fahrstuhl ist defekt oder stinkt nach urin, manchmal hat jemand reingekotzt, dann geht man doch lieber zufuss.

das einzige grün in der gegend sind die rotzigen auswürfe auf dem asphalt und ein paar grashalme, die zwischen den gehwegplatten überlebt haben.

manche hatten träume, wollten fliegen.
haben es irgendwann getan,
aus dem zehnten stock.

jetzt kann man die fenster in den letzten vier stockwerken nicht mehr öffnen.



(tess)

Chroniken aus Gschwandria, dem Land der Butterfliegen, Zwischenkapitel

Völlig neben der Spur und mit Resten von Fleischbällchen zwischen den Zähnen erwachte die Sonne und traute ihren Augen nicht: Es sollte doch endlich zum Showdown kommen: König Badjoke hatte seine Mannen um sich versammelt, gut 6000 an der Zahl, und gab auf seinem Hügel letzte Anweisungen seiner rastlosen Taktik. Von Norden marschierte ein zusammengewürfelter Rebellenhaufen aus Fürst Dietjé, Nicodemus, der inzwischen zu eigenem Ruhm und eigener Burg gekommen war, Eduardo Edmundo aus dem wunderlichen Süden, Pissoir der Pfälzer und schließlich Benillo, der abtrünnige Opportunist der sieben Berge. Sie alle hatte ein Heer von etwa 7000 Mann auf die Beine gestellt, wenn auch die Bogenschützen ihre Laptops vergessen hatten. Kurz bevor diese Machtstreit über den nördlichen Hügel in Sicht kam, ritt König Badjoke nocheinmal seine Reihen ab. In der Mitte hatte er seine Housecarls versammelt, die schwere neue Kettenhemden gestrickt bekommen hatten. Er ließ sein Pferd aufsteigen, und die Sonne gab sich alle Mühe, ihn in vollem Glanze dieses magischen Momentes aufscheinen zu lassen, was die Seinigen mit Kampfesmut erfüllte. Noch gab er das Zeichen zum Angriff jedoch nicht, da man auf dem Hügel im Vorteil war - die anderen mussten dann bergan kämpfen.

Das wusste jedoch auch der Haufen von Fürst Dietjé. Sie verharrten in angenehm lässiger Unordnung auf ihrem Hügel, um ihrerseits die Meute herankommen zu lassen. Keiner rührte sich, nur die Sonne feilte sich etwas kosmischen Dreck unter den Fingernägeln hervor. Benillos schwules Streitross schnaubte unruhig, denn es hatte sich diese Schlacht immer gewünscht.

So vergingen einige Stunden.

(KleinesF)

...

Dreht mehr light!
Macht mehr Nächte bunt!
Esst mehr Ganja!

(abgekupfert)

(KleinesF)

Zerbrochene Stille.

Ich schaue aus dem Fenster, die Wolken ziehen vorbei. Minuten sitze ich schon da, sehe den Wolken nach. Es gibt verschiedene Formen. Ich
erfasse sie nicht. Ich schaue sie mir nicht an. Stundenlang schon lasse ich den Blick schweifen. Einfach so. Der Wind knabbert an den Wolkenrändern, zerzaust die großen Wattedinger. Genauer möchte ich nicht schauen. Lasse sie ziehen. Gedanken fliegen mit. Die Wolken dadrüber ziehen in einer andere Richtung. Es ist mir völlig egal. Ich will nicht denken. Ich denke nicht. Die Szene verschwimmt. Ein Bild drängt sich auf. Schon wieder Sie. Sie kommt mir in den
Sinn. Ich stöhne leise auf. Sie schaut mich an, der Wind spielt in ihren Haaren. Sie legt sich eine Strähne hinter das Ohr. Ich kann nicht gegen an. Sie schaut mir mit ihren braunen Augen tief in meine. Um die Mundwinkel spielen kleine Fältchen ein Lachen. Wenn Sie mich frisst, will ich ihre Zähne sehen. Sie öffnet den Mund: „Was denkst Du?“

„Wenn ich Dir etwas sagen wollte, hätte ich´s nicht gedacht, sondern gesagt!“

Wolken ziehen durch die Stille.

(KleinesF)

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